|
02.06.02 à 1. Tag
Flug Stuttgart – Frankfurt – Montreal – Halifax – St. John´s (Neufundland)

Die Flugreise war mit zahlreichen Umstiegen eine kleine Tortur, wobei wir auch
noch für die Weiterleitung der Gepäckstücke trotz verspäteten Flügen sorgen
mussten. Letzteres, obwohl die Fluggesellschaft dieselbe blieb. Im letzten Flug
von Montreal nach St. John´s - wir landeten in Halifax zwischen - konnten wir
schon einiges von sehr aufgeschlossenen einheimischen Sitznachbarn über Land und Leute in Erfahrung
bringen. Wir sind bei Einbruch der Dunkelheit am Abend angekommen. Bei dem
Flughafen der Hauptstadt Neufundlands handelt es sich um einen kleinen
Provinzflughafen. Mit unseren spezialverpackten Fahrrädern wurde grob
umgegangen. So löste sich unter anderem auch das Fahrrad aus einem
Spezialgestell.
Die Räder montierten wir auf dem Parkplatz des Flughafens. Bereits beim
Montieren wurden wir immer wieder von Passanten angesprochen, deren
überschwängliche Freundlichkeit für uns zunächst sehr seltsam vorkam. Sie boten
uns neben Kartenmaterial auch Übernachtungsmöglichkeit und Telefonnummern für
weitere Informationen an. Wir verglichen die Verhaltensweise der Leute mit denen
von Moskitos im positiven Sinne; jeder meinte es nur gut mit uns... Leider war
im AirCargo-Center kein Ansprechpartner mehr vor Ort, um für die Weiterleitung
der Fahrradtransporttaschen zu sorgen. Wir übernachteten deshalb im angrenzenden
Wald, um am nächsten Morgen unser Flugtransportmaterial zu unserem Ziel in Toronto weiterzuleiten. Wir
konnten einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen. Unsere Wahl auf eine
Übernachtung ohne Zelt fiel.
|
|
03.06.02
à 2.
Tag
St. John´s (Torbay) – Butter Pot/Holyrood
è 75
km

Schon in der ersten Nacht wurden wir am frühen Morgen vom Regen überrascht. Das
führte dazu, dass wir sehr früh aufstanden und unsere ersten Erledigungen in den
umliegenden Supermärkten tätigten. Aufgrund der frühen Morgenstunde und der
versperrten Läden suchten wir eine Tankstelle auf. Für mich war es absolutes
Neuland, dass die Tankstellen kleine Super-Shops mit Bäckerei und dergleichen
waren. Cafe ist überall in diversen Varianten vorhanden, wobei der Cafelöffel
vor lauter Zucker in allen Getränken fast stecken bleibt.
Nach Besorgung der notwendigen Lebensmittel fuhren wir zum Flughafen zurück und
gaben bei AirCargo von AirCanada die Fahrradtransporttaschen ab. Obwohl wir
alles in einem Karton verstauen konnten, und dieser nur 14 Kilogramm wog,
mussten wir 92,50$ für die Weiterleitung nach St. John´s berappen. Wir statteten
noch einen Besuch bei der RCMP (Royal Canadian Mountainereed Police) ab. Von den
netten kanadischen Kollegen erhielten wir einige Abzeichen, etc. im Tausch gegen
die Hiesigen. Zudem teilten sie uns mit, dass man den übrigen Polizeistationen
eine kurze Information zukommen lässt, dass zwei deutsche Kollegen bei eventuell
benötigter Hilfe zur Seite gestanden werden soll. Eines vorweg: Die Hilfe
benötigten wir nicht... Auf Nachfrage warum diese nicht ihre legendären
rot-schwarzen Uniformen tragen, erklärten sie uns, daß diese nur bei bestimmten
Festlichkeiten getragen werden. Bei strömendem Regen starteten wir somit den langen Weg
über die Innenstadt von St- John´s und den Trans-Canada-Highway Nr. 1 in Richtung
West-Küste von Neufundland. Da St- John´s (obwohl verkehrstechnisch an den Rest
Kanadas schlecht angebunden; liegt aber an der Landung der ersten Immigranten)
die meistbewohnteste Stadt in Neufundland ist, hatten wir auch im urbanen
Bereich mit
dementsprechendem Verkehrsaufkommen zu kämpfen. Interessanterweise konnten wir
keine weiteren Fahrradfahrer in der Stadt entdecken, was sich auch auf der
weiteren Reise sehr deutlich bemerkbar ma chte. Auf den Straßen fuhren Autos
neben uns her, fragten nach unserem Vorhaben, und erklärten uns schlichtweg für
„crazy“ – letzteres aber auf eine sehr nette Art. Besonders witzig fanden wir
eine motorisierte Briefträgerin, welche bei dieser Art von Nachfrage sich so
weit zum Fenster hinauslehnte, daß sie beinahe aus ihrem Auto geflogen wäre. Die Abgasbelastung war auf dem
Highway natürlich sehr hoch, allerdings gab es mit zunehmender Entfernung von
der Hauptstadt St. John´s immer weniger Nebenstraßen, bis es nur noch auf dem
Trans-Canada-Highway dahinging. Der Verkehr nahm mit zunehmender Entfernung von
der Hauptstadt ab. Problematisch wurde es mit den passierenden Lkw´s, deren Dimension die europäische weit übersteigt und immer wieder trotz
ausreichend breitem Fahrstreifen zu heftigen Windkräften am Fahrrad führte. Der
Wind peitschte horizontal ins Gesicht, wobei wir des öfteren – sofern überhaupt
vorhanden – Unterschlupf unter Bäumen suchten. Die Tour führte dennoch an vielen
traumhaft gelegenen Seen vorbei. Zum Übernachten stellten wir die Zelte neben
dem Highway auf einen kleine Erdwall auf, da hier noch am wenigsten
Pfützenbildung durch den andauernden Regen herrschte. Hier machte es sich
bereits bemerkbar, daß wir uns trotz zahlreicher Wechselkleidung und Vertrauen
auf den Reiseführer - bei Tagestemperaturen von max. 10 Grad Celsius in
Verbindung mit Nässe - nicht entsprechend mit warmer Kleidung versorgt hatten.
Die Nachttemperaturen waren stets um den Gefrierpunkt!
|
|
04.06.02 à 3. Tag
Butter Pot/Holyrood – Whitborne
è 51
km
Der Tag begann wieder einmal regnerisch, wobei die Nacht neben der Autobahn sehr
ruhig verlief. Heute wurde uns bewusst, dass wir einen folgenschweren Fehler
begangen haben, der uns über die gesamte Tour hinweg zu einer großen
Herausforderung werden sollte. Der Wind bläst die meiste Zeit mit großer
Geschwindigkeit von West nach Ost, d.h. wir haben mit Gegenwind zu kämpfen. Die
Einheimischen teilten uns mit, dass die erste Etappe sehr anstrengend werden
wird, da diese sehr hügelig wird und teilweise durch Nationalparkgelände führt.
Wir entschieden uns aufgrund Würdigung der Gesamtsituation auf einen Versuch ein
paar Kilometer per Mitfahrgelegenheit zurückzulegen. Zwei Stunden machten wir
dabei zunächst erfolglos den Versuch jemanden von einer Mitnahme zu überzeugen.
Letztendlich hatte ein Pickup-Fahrer namens Kent aufgrund des verzweifelten
Blickes (wegen des erfolglosen Autostopp-Versuchs) von Patrick Mitleid mit uns, und nahm uns
eine gewisse Strecke mit. Es war eine sehr nette Fahrt, wobei wir von dem
Hobby-Jäger viel Wissen über die Gegend erfuhren. So stoppte er auch bei allen
Sehenswürdigkeiten und Aussichtsplattformen. Auf der Strecke konnten wir dann
ersten Sichtkontakt mit Moose, Schwarzbären, Karibus und Adler aufnehmen. Kent
stoppte dabei auch des öfteren den Wagen, damit wir in Ruhe Fotos machen
konnten. Wie waren sehr froh diesen Teil der Strecke per Kfz zurückzulegen, da
der Streckenverlauf nur bergig war. Dies muß man sich in dieser Gegend so
vorstellen, daß es im Mittel 500m bergab geht, um dann wieder 500m bergauf zu
steigen. Da Kent aufgrund der großen Distanz einen
nächtlichen Zwischenstopp in einem Hotel bei den Grand Falls in Windsor einlegt,
bietet er uns an, seine Dusche und Doppelzimmer mitzubenutzen. Über die Dusche
sind wir heilfroh, letzteres lehnten
wir jedoch dankend ab. Am naheliegenden Camping-Platz übernachteten wir nach zähen
Verhandlungen zum Preis von 6 $/Person.
|
|
05.06.02 à 4. Tag
Grand-Falls – Pigeon Cave
è 28
km
Nach nur wenigen Stunden Schlaf im Zelt standen wir bei Sonnenaufgang um fünf
Uhr auf. Wir gingen dabei zurück auf den Highway, wo wir uns mit Kent verabredet
haben, um noch eine kleine Distanz mit ihm zurückzulegen. Über diese
Entscheidung waren wir sehr froh, da der Wind sehr stark aus Fahrtrichtung
wehte. Bei Southbrooke steigen wir an einer einsamen Tankstelle – diese kommen
nur alle 50 bis 100km vor – aus, wobei wir uns nochmals mit den notwendigsten
Lebensmitteln versorgen. Wir radeln bis Sheppard-Ville. Als
Durchschnittsgeschwindigkeit erreichten wir ca. 10 km/h. Wobei die Winde so
stark gewesen sind, dass trotz Gefälle das Fahrrad ohne zu treten einfach
stehenblieb. Das war aber Normalität, wir wußten es nur noch nicht... Wir entschieden wieder einmal für Auto-Stopp nach Deer Lake, wobei
wir nach vier Stunden schon die Hoffnung fast aufgegeben haben (so durften uns
die Lkw-Fahrer aus versicherungstechnischen Gründen nicht mitnehmen, und die
Pkw´s wären mit unseren zwei Fahrrädern
einschließlich Gepäckanhänger, bzw.
Gepäck überladen gewesen). Letztendlich gelingt es Patrick doch noch einen mit
zwei Personen besetzten Van anzuhalten. Die Insassen berichten uns, dass sie
nach St- Anthonys im Norden Neufundlands fahren möchten. Gegen unser bisheriges
Vorhaben direkt nach Süd-West zu fahren, entscheiden wir kurzerhand ein großes Stück weit die Küste
gen Norden mitzufahren,
um von dort aus nach Labrador überzusetzen. Auch hier führte die Strecke
serpentinenartig durch ein grandios schöne aber auch sehr, sehr bergige Landschaft im Gros-Morne-Nationalpark. Am Wegrand stehen überall Moose, Karibus, Biber, etc.
Diese zeigen keine Scheu, und lassen sich aus nächster Nähe betrachten. Interessanterweise sind auch überall Schilder aufgestellt, welche die Zahl der
Unfälle mit Moose aufzeigen. Wir bedauern es dabei schon mit dem Rad unterwegs
zu sein, da die zahlreichen Nationalparks mit all ihren Schönheiten nur mit Rucksack zu erkunden sind. In Bird Cove steigen wir aus, um bei bereits eingebrochener Dunkelheit in Richtung
des Fährhafens zu fahren. Auf einer wenig befahrenen aber landschaftlich höchst
schönen Strecke campieren wir in der Nähe von Pigeon Cave neben der Straße an
einem Wald zwischen Holzstößen. Es sei noch erwähnt, daß es jeweils nur eine
Straße in von West nach Ost und vom Zentrum in Deer Lake nach Norden gibt.
Trotzdem muß man oft ganz schön lange auf das nächste Fahrzeug warten. Dort sehen wir auch ein Moose, welches mich
überraschend attackierte, nachdem ich es aus ca. 5m Entfernung fotografieren
wollte. Patrick fand dies hochamüsant, kommt dies doch nicht allzu oft vor! Weiters sahen wir noch einen Polar-Fuchs. In der Nacht beginnt es erneut
zu regnen.
|
|
06.06.02 à 5. Tag
Pigeon Cave – L´anse-au-Claire
è 25 km
Wir biken zur Fährstation nach St.-Barbe in Neufundland. Für die Überfahrt nach
Labrador bezahlen wir 12,50$/Person. Da die Strecke zu dieser Jahreszeit nur gering
frequentiert ist, haben wir Gelegenheit einen Besuch auf der Brücke des Schiffes
abzustatten, und das Ruder selbst in die Hand zu nehmen. Die Ankunft der Fähre
erfolgt in der Nähe der Grenze von Quebec und Labrador. Wir folgen der einzigen
Straße in Richtung L´Anse-au-Claire. Die entgegenkommenden Autofahrer grüßten
uns per Handzeichen. Auch während der Nahrungsversorgung an einem Einkaufsmarkt
wurden wir von Einheimischen angesprochen und zu ihnen nach Hause eingeladen.
Leider wohnten diese jedoch in entgegengesetzter Richtung zu unserem Fahrziel.
Aufgrund der kalten Witterung bei Eis und Schnee entschieden wir uns für eine
Übernachtung in einer Bed&Breakfast-Pension.
Letzteres war auch aufgrund der
Distanzen zu den Sehenswürdigkeiten notwendig, da diese einfach zu groß sind. Der Preis für die
Übernachtung betrug 45$ für ein Doppelzimmer inkl. Frühstück. Wir fuhren wieder per Auto-Stopp zum höchsten
Leuchtturm Labradors in Amour Point. Unterwegs sahen wir noch einige zugefrorene
Seen. Vor Ort wehte ein rauer Wind. Leider war auch
der Leuchtturm außerhalb der Saison zu Besuchszwecken geschlossen. Am Ufer
machten wir Picknick, wobei wir Wale in unmittelbarer Ufernähe beim Spielen
beobachten konnten. Nach einem langen Fußmarsch und Mitfahrgelegenheit haben wir
nach Ankunft in der Unterkunft zunächst am Strand zu Abend gegessen und
anschließend die Wäsche gewaschen. Auch die Gelegenheit zum Duschen nutzten wir
ausgiebig...
|
|
07.06.02 à 6. Tag
L´Anse-au-Claire – Deer Lake
Nach einem spärlichen Frühstück in der B&B-Unterkunft radeln wir wieder in
Richtung Quebec zur Fährstation. Zur Erläuterung: Die Fährstation befindet sich
annähernd an der Grenze von Quebec und Labrador. Wir kochten auf einer Anhöhe nochmals zu
Mittag, und konnten dabei den wunderschönen Blick über Labrador nach Neufundland
genießen. Auf der Fähre war leider nur ein Lkw. Dieser versagte uns mitzufahren,
was sich aber nach ein wenig "taktischer Kommunikation" auf der Überfahrt zum
Positiven wendete. Hiermit zeigte sich, daß die offene Art von Patrick und mir
für den besten Kontakt mit den Einheimischen sorgte... Wir waren sehr glücklich über diese Situation, da der Wind
die Küste entlang äußerst scharf aus Gegenrichtung blies. Während der Überfahrt hatten
wir schönstes Wetter. Ed fuhr einen leeren Lkw seines Onkel nach St. John´s.
Wir
konnten in dem größeren Lieferwagen unsere Räder aufstellen, wobei jeweils einer
auf der Ladefläche bei geschlossenen Türen
Platz nehmen musste. In Deer Lake
zweigte sich die Straße in Richtung Süden und Osten. Da wir in Richtung Festland
übersetzen wollten, trennten wir uns nach einem Restaurant-Besuch von Ed und
seinem Onkel. Der Versuch ein legendäres Moose-Steak in einem der Lokale zu
speisen war leider vergebens. Da es bereits wieder etwas später kurz vor der
Dunkelheit gewesen ist, übernachteten wir in einem angrenzenden Wald im Zelt.
|
|
08.06.02 à 7. Tag
Deer Lake – Port-aux-Basque
Bereits um vier Uhr morgens standen wir am Truck-Stopp in Deer-Lake. Hintergrund
ist die große Entfernung zum Fährhafen in Richtung Neu-Schottland, und das
rechtzeitige Erreichen der Fähre. Wir wollten aufgrund der unsicheren
Wetterverhältnisse schnellstmöglich die Insel Neufundland verlassen. Nach
Rückfrage bei den zahlreich anwesenden Truck-Fahrern bekommen wir immer nur eine
Auskunft: Entweder ist der Lkw versiegelt oder die Fahrer fahren Richtung Osten
nach St. John´s. Ein Fahrer – Tony – erklärt sich bereit uns in seinem ca. 22m
langen Umzugs-Truck mitzunehmen. Auf der Fahrt nach Port-aux-Basque lernen wir
auch viel von der Region kennen. Tony ist um die dreißig Jahre alt und ein sehr
netter Mensch. Er hält an allen Sehenswürdigkeiten an. Wir erfahren auch ein
wenig vom Trucker-Leben. So erzählt er über die am Wegrand stehenden Ampeln, und
dass die Trucks beim Leuchten
der Ampeln ihren
Versicherungsschutz verlieren.
Hintergrund ist der, dass in dieser Gegend Windgeschwindigkeiten von 120 km/h
zur Normalität gehören, und selbst vollbeladene Trucks einfach von der Straße
wegfegt werden. In Port-aux-Basque angekommen, haben wir noch ein wenig Zeit die
fantastische Hafenstadt zu besichtigen, und auf dem Hausberg ein Menü zu kochen.
Die Fahrräder ließen wir in dem Truck, wobei wir auch noch die Fährgebühr für
diese sparten. Als Besonderheit mussten wir fest stellen, dass die Fähre bereits
eine halbe Stunde (nach Ortszeit) vor der angegebenen Abfahrtszeit um 23:30 Uhr
abfuhr. Eine Entwertung der Fahrkarten fand ebenso nicht statt...
|
|
09.06.02 à 8. Tag
Port-aux-Basque – Digby
è 18 km
Wir bewegen uns über die Nacht mit der Fähre nach Northern-Sydney in Nova Scotia
(Neuschottland). Wir ruhten in den Sesseln. Gegen 07 Uhr morgens war die
Ankunftszeit. Ursprünglich wollten wir von dort aus unsere Radtour fortsetzen,
allerdings hatte das Wetter einmal wieder keinerlei Mitleid mit uns. Es war für
die Jahreszeit sehr, sehr kalt. Zudem regnete es wiederholt. Wir hatten somit
noch keinen einzigen Tag ohne Regen erlebt. Tony bot uns an, noch ein weiteres
Stück mitzunehmen, schließlich möchte er ohnehin nach Toronto fahren... Wir
willigten ein, und wollten bis Sussex in New Brunswick mitfahren. Dort besuchten
wir ein Restaurant, und luden Tony zu Fish&Chips ein. Das Wetter war immer noch
sehr regnerisch, und die Aussichten waren sehr schlecht. Aufgrund dessen bot uns
Tony sogar an, gegen seine ursprüngliche Planung einen kleinen Umweg in Kauf zu
nehmen, und uns nach St. John zu fahren. Diese Geste ist typisch für die
Einwohner Neufundlands. Interessanterweise sind sie zwar ein sehr bequemes Volk
(was sich auch an langen Wartezeiten an Supermarktkassen, etc. bemerkbar macht),
jedoch sind diese andererseits sehr aufgeschlossen.
In St. John wollen wir die Fähre nach Digby erreichen, um von dort aus wieder
auf den Landzipfel von Neuschottland überzusetzen. Da wir ausreichend Zeit
haben, besuchen wir die Reverse-Falls bei strömendem Regen. Diese sind legendär,
da bei Ebbe und Flut die Fließrichtung des Flusses einfach wechselt. In dieser
Gegend hat es mit über 12m auch den größten Gezeitenunterschied der Erde. Wir lernen
einen netten Polizeikollegen von der örtlichen Polizei kennen, und erfahren von
ihm unter anderem, dass auf dem gesamten Festland Kanadas eine Helmpflicht für
Fahrradfahrer herrscht. Allerdings ist die Verfolgung der mit 25$ ! bewährten
Ordnungswidrigkeit gering... Auch hier tauschen wir die begehrten Ärmelabzeichen
ein. Die Fähre setzt um 23 Uhr ab und kommt drei Stunden später in Digby an. Da
es sehr dunkel war, übernachteten wir kurzerhand unmittelbar nach der
Fährstation an einem Autoparkplatz im Zelt.
|
|
10.06.02 à 9. Tag
Digby – Yarmouth è 40 km
Wie erwähnt, kamen wir erst gegen 02 Uhr in Digby an. Wir kommen nur wenig zum
Schlafen, da in den frühen Morgenstunden bereits wieder der Autoverkehr zu der
Fähre einsetzt. Wir entschließen uns wieder aufgrund der Witterung zum nächsten
Truck-Stopp zu fahren, um von dort aus eine Mitfahrgelegenheit zu erhalten.
Leider versuchen wir es fünf Stunde n lang vergebens. Ein Forstarbeiter erbarmt
sich dann dennoch und nimmt uns mit seinem Pick-Up bis nach Bridgetown mit; zwar
nur eine kurze Strecke, aber immerhin. Wir radeln weiter nach Middletown.
Patrick hat einen Plattfuß am Hinterrad. Die Nerven sind bis zum Zerreißen
angespannt, da die Winde wieder einmal ein normales Vorankommen unmöglich
machen. Als Patrick den Plattfuß reparierte, kommt gerade Jeff mit seinem
Post-Truck entgegen. Er bietet uns gegen seine Vorschriften an, bis nach Halifax
mitzunehmen. Wir sind sehr froh über diese Gelegenheit, da wir zwischenzeitlich
unsere Pläne dahingehend änderten, noch ein paar US-Städte und Umgebung zu
erkunden. Jeff fährt täglich die komplette Runde um den Landzipfel. Wir kommen
gegen 20 Uhr in Halifax an. Wir entscheiden, dass wir mit Jeff gegen 02 Uhr
wieder bis nach Yarmouth mitfahren. Das Gepäck beließen wir auf dem Truck. In
der Zwischenzeit konnten wir Halifax mit den Bikes ein wenig erkunden. Als
besonders nennenswert erscheint mir dabei die Zitadelle. Allerdings wurden wir
zu später Stunde beim Umrunden darauf aufmerksam gemacht, dass sich dort ein
Strichgebiet für Homosexuelle befindet; wir entfernten uns umgehend aus dieser
unbehaglichen Gegend. Besonders
negativ fiel mir hierbei zum ersten Mal die typische Art und Weise der
Müllentsorgung auf der Straße auf. Zum vereinbarten Zeitpunkt tauchte Jeff an
dem Treffpunkt nicht auf. Nach einer viertel Stunde passierte ein weiterer Truck
und fragte nach den „zwei Guys aus Germany“. Wir bejahten und uns wurde
mitgeteilt, dass Jeff noch beschäftigt sei, aber etwas später komme. Bei
Temperaturen um 2 Grad Celsius Mitte Juni!!! verharrten wir an besagtem Ort.
|
|
11.06.02 à 10. Tag
Yarmouth – Portsmouth
Auf der Fahrt von Halifax nach Yarmouth hatten wir ein wenig die Gelegenheit im
Truck die
Augen zu schließen. Bei Sonnenaufgang (vermeintlich, es war stark bewölkt – wie
gewohnt) kamen wir an der Poststation an. Wir fuhren zum Hafen, und wollten uns
noch etwas auf der Pier schlafen legen. Allerdings war auch dieses Vorhaben
durch den einsetzenden Regen jäh nach einer Stunde unterbrochen worden. Wir
besorgten uns das Fährticket zum Preis von 70$ für die Überfahrt nach Portland.
Vor dem Befahren des Schiffes mussten wir die strengen Zollvorschriften
passieren. So mussten unter anderem gefährliche Gegenstände wie Messer abgegeben
werden, was vor allem aufgrund der Geschehnisse am 11. September basiert. Das
Schiff entspricht typischen Anforderungen für den Amerikaner mit zahlreichen
einarmigen Banditen, Bars, etc. Diese nutzten dieses Angebot auch
zahlreich. Wir machten uns es in den wenigen Sitzgelegenheiten bequem.
Die reine Fahrzeit beträgt 6 Stunden. In Portland – Bundesstaat Maine in den
vereinigten Staaten – angekommen, regnet es zunächst wieder einmal in strömen.
Nach der umfangreichen Einreisekontrolle – welche jeden Asylbewerber vor einer
Einreise in die Bundesrepublik abhalten würde... – können wir auch wieder die asservierten Gegenstände in Empfang nehmen. Da es schon sehr dunkel wurde,
entschließen wir uns auf eine Übernachtung in einer Herberge. Leider wurden wir
dabei sowohl von YMCA abgewiesen. Weitere Unterkünfte waren ebenso besetzt.
Patrick und mir war es in den dunklen Gassen sehr unwohl bei der Begegnung mit
finsteren Gestalten. Wir entschieden uns zum Flughafen zu Fahren um dort ein
Mietauto anzumieten, und in diesem auch die Nacht zu verbringen. Die Kosten für
eine dreitägige Miete des Ford Windstar-Vans betragen 180US$ inklusive aller
Gebühren. Wir starten die Tour in Richtung Boston und kommen noch bis nach
Portsmouth, wo wir auf einem Hotelparkplatz im Auto übernachten.
|
|
12.06.02 à 11. Tag
Portsmouth – New Rochelle/New York
Wir fahren nach Boston. Es ist wieder regnerisch. Dort angekommen, stellen wir
das Auto auf einen Park&Ride-Parkplatz am Flughafen und fahren mit der Metro in
die Innenstadt. Dort folgen wir dem bekannten Freedom-Trail, welcher
interessanterweise durch eine rote Markierungslinie quer durch die Stadt führt.
Auf diesem Weg können wir alle Sehenswürdigkeiten der Stadt in einem Zug
besuchen. Ein verirren ist ausgeschlossen. Ein großer Vorteil ist, dass Patrick durch vorhergehende Aufenthalte in den Staaten mit der Örtlichkeit
bestens vertraut ist. Boston ist eine sehr interessante und schöne Stadt. Nach
der ganztägigen Tour fahren wir weiter in Richtung New York. Dort übernachten
wir in New Rochelle (nördlich der Bronx) wieder im Auto auf einem Parkplatz
- nach Rückfrage - direkt neben der Polizei. Aus Gründen der Sicherheit ist es
nicht empfohlen, im Auto zu übernachten. Uns erleichterte jedoch das
Kollegendasein die Kommunikation mit den örtlichen Polizeibehörden ungemein.
|
|
13.06.02 à
12. Tag
New Rochelle/New York – Bedford
  Wir fahren mit der Metro North nach NewYork-Manhattan. Auch hier wieder der
große Vorteil dass Patrick sich bestens mit der Örtlichkeit auskennt. Wir machen
eine Gewalttour und besuchen alle Sehenswürdigkeiten (Chrysler Building, Empire
State Building, Wall Street, Times Square, Statue of Liberty, Brooklyn Bridge,
Broadway, Madison Square Garden, Rockefeller Center, Ground Zero des zerstörten
WorldTradeCenters und das UN-Hauptquartier). Wir fahren noch am späten Abend von
New York in Richtung Vermont und übernachten in Bedford auf einem
Highway-Parkplatz. Auch hier regnet es wieder...
|
|
14.06.02 à 13. Tag
Bedford – Quebec
Es geht durch den Bundesstaat Vermont in Richtung Burlington. Vermont ist ein
wunderschöner Bundesstaat mir sehr großen Laubwäldern. Wir machen einen
Zwischenstopp auf dem Emerald Lake State Park. Dies ist ein wunderschönes
Freizeitgelände mit Camping-Parzellen für den geringen Eintritt von
2,50US$/Person. Wir machen uns in den sanitären Einrichtungen nach einigen Tagen
Entbehrung ein wenig frisch. Dann geht es leider auch schon wieder weiter... Ursprünglich sollte in
Burlington das Auto wieder abgegeben werden.
Allerdings verlängerten wir aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse und der
schlechten Prognose für die nächsten Tage den Mietvertrag für weitere drei Tage.
Wir passieren Montreals Vororte in Richtung Ost nach Quebec. 80km vor Quebec
übernachten wir auf einem Autobahnparkplatz, da uns dieser Ort zwischen all den
Trucks als sicher erscheint.
|
|
15.06.02 à 14. Tag
Quebec - Montreal
Es geht nach Quebec, wobei wir den Bus in die Innenstadt nehmen. Quebec ist eine
sehr schöne und an französisches Flair angelehnte Stadt. Alles ist sehr übersichtlich und
idyllisch. Diese Stadt ist überhaupt nicht typisch amerikanisch, da hier kaum
Wolkenkratzer stehen. Alles ist klein und beschaulich. Besonders attraktiv ist
die Zitadelle, welche in Richtung Saint Lawrence-Strom weist. Aufgrund der Größe
hat man aber an einem Tag genügend gesehen. In dieser Stadt wird überwiegend
französisch gesprochen. Die Leute sind sehr freundlich.
Nach einem beachtlichen Fußmarsch aus der Innenstadt fahren wir abends nach
Montreal. Wir übernachten am Rande des Olympiaparks in einer kleinen Siedlung im
Auto. Es regnet wieder einmal in strömen.
|
|
16.06.02 à 15. Tag
Montreal – Ottawa
An diesem regnerischen Tag spazieren wir durch das Olympiagelände von 1976 in
Montreal. Das Gelände beinhaltet einige Sehenswürdigkeiten über die olympischen
Spiele. Anschließend geht es nach Downtown. Wir sind enttäuscht über die Stadt,
da diese wenige Attraktionen bietet und eher grau erscheint. Wir entscheiden uns
so für einen frühzeitigen Abschied in Richtung Ottawa, der Hauptstadt Canadas.
Dort müssen wir auch das Mietauto abgeben. Wir übernachten auf dem Parkplatz der
Firma Compaq.
|
|
17.06.02 à 16. Tag
Ottawa – Ashton è 55 km
Wir fahren wieder früh morgens mit dem Bus in die Innenstadt. Auch hier ist das
öffentliche Verkehrsnetz total veraltet, der Tagesfahrausweis jedoch 5$/Person
kostet! Ottawa ist eine kleine und überschauliche Stadt mit wenigen
Sehenswürdigkeiten, wobei das Parlament durch eine beschauliche Architektur
besticht und eine (kostenlose) Besichtigung im Inneren sich allemal lohnt. Da es
auch wieder regnet, brechen wir sehr früh auf, um unser Auto abzugeben,
und mit dem Fahrrad noch einige Kilometer hinter uns zu bringen. Es geht auf den
Weg in Richtung Kingston am Lake Ontario. Wir kommen bis Ashton, wo wir uns –
total durchnässt – für eine Übernachtung entscheiden. Da überall das Land unter
Wasser steht, fragen wir Anwohner nach einer Übernachtung in einer Scheune. Ein
Holländer sorgt für eine Kontaktaufnahme mit seiner Nachbarin. In diesem Fall
ließ sich sogar Patrick von der holländischen Fürsorge begeistern! Die
Nachbarin, eine
Lehrerin bietet uns ihre Scheune an, wobei wir auf windschiefen Bohlen
zwischen allerlei Gartengeräten übernachten. Das Dach über dem Kopf war jedoch wichtiger als jede
Bodenunebenheit.
|
|
18.06.02 à 17. Tag
Ashton – Westport è 103 km
Es geht durch eine sehr hügelige aber landschaftliche schöne Gegend weiter in
Richtung Kingston. Überraschenderweise sehen wir eine Schildkröte auf der
Straße. Eine Passantin erklärt uns, dass es sich hierbei um eine Snapping-Turtle
handelt. Diese sind in all den Gewässern in großer Zahl vorhanden, und können
einem Menschen bei unbedachter Annäherung problemlos einen Finger abbeißen! Wir
übernachten auf einer Grünanlage vor einem Wohnhaus, wobei wir von Tina und
ihrem Ehemann auch Wasser bekommen. In dieser Gegend war das
überdurchschnittlich starke Niederschlagsaufkommen der letzten Wochen sehr
deutlich an den überfluteten Zufahrten und Wiesenflächen deutlich zu sehen. Wir
erfuhren, daß es zu dieser Zeit bereits dreimal mehr als die monatliche
Durchschnittsmenge an Niederschlägen gegeben hat. Wohlgemerkt: Es war Mitte des
Monats!!!
|
|
19.06.02 à 18. Tag
Westport – Adoplhustown
è 83
km
Wir erreichen Kingston, die inoffizielle und frühere Hauptstadt Canadas. Dort
ist die City-Hall, welche das ehemalige Parlament darstellt als besonders
Sehenswert einzustufen. Leider befand diese sich in Renovierung. Auch die Archetektonik der Kirchen ist besonders
wertvoll. Es geht auf der Road 33 in Richtung Toronto. Landschaftlich kann man
diese zu den schönsten und verkehrsärmsten Straßen der Welt zum Biken nennen. Wir treffen
dort sehr viele Leute aus Europa. Eine Gruppe von älteren Radlerinnen mit
europäischer Abstammung ist voller
Fürsorge um uns (Patrick kann sich kaum noch retten), und gibt uns noch einige Snack-Riegel mit auf den Weg. Gegen
Abend erreichen wir den Camping-Platz von Adolphustown. An dieser Stelle
hatte Patrick zur alten Einstellung gegenüber Holländern gefunden, da der
Platzwart ein äußerst penetranter und geldgieriger Holländer war: Für eine
Gebühr von 16$! zelten wir am See.
|
|
20.06.02 à 19. Tag
Adolphustown - Sandbanks/Lake Ontario
è 40
km
Morgens geht es von Adolphustown nach Picton. Dort überqueren wir mit einer
kostenlosen Fähre den See um die Fahrt zum Lake Ontario fortsetzen zu können. Es
regnet etwas auf dem Weg. Kurz bevor wir den Naturschutzpark der Sandbanks
erreichen, ändert sich das Wetter und das Klima auffällig. Der Sandbanks-Provincial-Park ist durch ein eigenartiges mediterranes Klima
ausgezeichnet. So findet man dort Sandstrände mit Sanddünen direkt am Lake
Ontario vor. Der Sand war sehr aufgeheizt – obwohl es wie erwähnt zuvor wenige
Kilometer weiter geregnet hat! – und das Barfußlaufen war aufgrund der Hitze fast unmöglich. Der
Eintritt in den Park pro Camping-Parzelle mit eigenem Grillplatz kostet 21,50$.
Der Nachbar warnt uns vor Stinktieren und Waschbären, welche in der Nacht die Parzellen
aufsuchen, um dort Nahrungsmittel zu stibitzen. Wir bekommen von ihm einen Six-Pack Bier geschenkt.
|
|
21.06.02 à 20. Tag
Sandbanks/Lake Ontario
Aufgrund der wunderbaren Verhältnisse vor Ort beschließen wir noch einen
weiteren Tag zu bleiben. Da jedoch ab diesem Tag die Hauptsaison beginnt, erhöht
sich der Tagespreis für die Parzelle auf 24$. Unsere Camping-Nachbarn sind ein
junges Pärchen aus Montreal, welche gerade zu einer einjährigen
Nordamerika-Rundreise aufgebrochen sind. Wir verbringen schöne gesellschaftliche
Stunden und genießen den Cognac...
|
|
22.06.02 à 21. Tag
Sandbanks/Lake Ontario – Presquile Provinzialpark
è 80km
Als wir aufwachten, standen vor unserem Zelt wieder einmal zwei Bier mit einer
netten Nachricht der bereits aufgebrochenen Nachbarn. Wir starten unsere Tour
weiter in Richtung Presquile-Provinzialpark. Dieses Naturschutzreservat ist eine
kleines Eiland mit einem Leuchtturm als Attraktion am See. Die Bedingungen sind
jedoch weniger Attraktiv als an den Sandbanks, zudem hat es mal wieder
Nieselregen. Wir lernen nette Studentinnen kennen, welche zu einer kleinen
Abendparty einluden.
|
|
23.06.02 à 22. Tag
Presquile Provinzialpark – Port Hope
è 75 km
Wir haben eine wenig interessante Fahrt zu den Toren Torontos mit viel Gegenwind
nach Port Hope. Dort wollen wir auf einem Camping-Platz übernachten, jedoch ist
dieser verwahrlost, und keiner fühlt sich zuständig. Auf Nachfrage bei den
landwirtschaftlichen Betrieben wird uns zunächst keine Gelegenheit gegeben auf
deren Gelände zu übernachten. Wir sind überrascht, da wir bis dato nur
freundlich gesinnte Einheimische kennengelernt hatten. Ein Bauer erbarmt sich
jedoch, und lässt uns auf seinem Rasen campieren.
|
|
24.06.02 à 23. Tag
Port Hope – Toronto
è 102 km
Ursprünglich sollte der Weg nur bis nach Darlington führen, da aber auch hier
wieder schlechte Camping-Möglichkeiten bestanden, setzten wir die Fahrt bis nach
Toronto fort. Es war eine Fahrt auf Straßen mit geringem Verkehrsaufkommen. Die
Distanz von den Vororten Torontos bis ins Stadtzentrum ist jedoch sehr groß (ca.
30 km). Wir kommen zu einer Jugendherberge in der Mutual-Street 160 im Herzen
Torontos. Für 30$ bekommen wir ein Dreibett-Zimmer mit Klimaanlage, Küche,
Fernsehraum und Blick auf die Skyline. Wir fragen beim örtlichen
Polizeipräsidium nach einer Unterstellmöglichkeit für die Bikes. Dort gibt man
uns – angesichts der Kollegialtät unter Polizeibeamten - die Möglichkeit die
Räder in der Tiefgarage abzustellen. Auf unserer ersten nächtlichen
Erkundungstour durch die Umgebung müssen wir feststellen, dass die Straßen sehr
unsicher, und von zahlreichen finsteren Gestalten gesäumt sind.
|
|
25.06.02 bis 29.06.02
Wir besichtigen alle Sehenswürdigkeiten Torontos. Als besonders erwähnenswert
ist der CN-Tower mit seinem Glasboden in luftiger Höhe anzusehen, welcher zu
dieser Zeit das zweithöchste Gebäude der Welt darstellt. Weiters gibt es neben
ausgezeichneter Shopping-Möglichkeiten im Eaton-Center die Möglichkeit Musicals
zu besuchen. Kurz gefasst lohnt sich ein Besuch der nur 100km entfernten
Niagara-Fällen mit einem Casino-Bus. Diese Art des Transits kostet nur 16$
(Geführte Rundfahrten mit Weinprobe kosten das Vielfache) und ist
zeitlich vollkommen ausreichend, um die Wasserfälle in Ihrer bunten Beleuchtung
bei Nacht zu besichtigen, und anschließend einen Besuch im Casino abzustatten.
|
|
30.06.02
Es geht auf den Heimflug von Toronto nach Stuttgart. Auf dem Flughafen
in Toronto per Taxi angekommen (der Flughafen ist mit dem Fahrrad aufgrund der
Highways als Zufahrststraßen nicht zu erreichen!!!) müssen wir feststellen, dass unsere Transporttaschen noch nicht
angekommen sind. Nach langwierigen Reklamationen und Beschwerde - hierbei hatten
wir mit extrem unfreundlichen Flughafenpersonal zu kämpfen – konnten wir doch
noch kostenlos das Gepäck in mehreren Kartons mitnehmen. Leider war aufgrund der schlechteren
Verpackungsmöglichkeit ein Gepäckschaden aufgetreten, welcher aber von der
deutschen Schadensstelle finanziell erstattet wurde.
|
|
Mir erscheint für alle Nachahmer der Reiseroute eine
Zusammenfassung angebracht.
In summa:
Aufgrund der großen Distanzen von den Siedlungen zueinander ist eine Radtour
wenn überhaupt nur von West nach Ost angebracht, da hier nicht mit den kräftigen
und berüchtigten Gegenwinden zu kämpfen ist. Das Wetter erscheint sehr instabil
und kann binnen kurzer Zeit umschlagen. Laut Aussagen der einheimischen
Bevölkerung fanden wir für die Jahreszeit extrem widrige Bedingungen mit den
Niederschlägen vor. Grundsätzlich ist jedoch der Juli/August die bessere
Reisezeit, da hierbei die Nachttemperaturen nicht um den Gefrierpunkt liegen.
Die Bekleidung sollte auch für diese Temperaturen ausgelegt sein. In dieser
Jahreszeit muß auch hierbei mit höherem Verkehrsaufkommen durch Touristen
gerechnet werden.
Sowohl Flora als auch Fauna bieten für europäische Verhältnisse nie gesehene
Artenvielfalt. Das hautnahe Erleben der Populationen ist einzigartig und bietet
vor allem für Familien mit Kindern eine ständige Abwechslung.
Die Bevölkerung ist vor allem in Neufundland und Labrador mit herzlichster
Gesonnenheit gerüstet. Dies gilt es durch eigene offene Art zu erhalten, und
nicht durch eingebrachte Selbstherrlichkeit zu zerstören.
|